Liebe Leserinnen und Leser,
wie haben Sie Schreiben gelernt ? 
Ich (in grauer Vorzeit) noch Buchstabe für Buchstabe. Ellenlange Übungen, bei denen das L über das Heft kreiste, das m und n usw. Und dann wurden die Buchstaben allmählich zu Wörtern zusammengefügt.
Nun gibt es schon seit vielen Jahren das Konfetti-Konzept, bei dem die Kinder ein phonologisches Bewusstsein entwickeln sollen. Die Kinder lernen mit einer Anlauttabelle die Buchstaben und schreiben dann nach Gehör. Die Rechtschreibung wird erstmal vernachlässigt und kommt später mit dem Üben sogenannter Lernwörter dazu. Die Kinder sollen so wesentlich schneller lesen und ganze Wörter und Sätze schreiben können.
Es gibt Verfechter dieser Methode, aber auch jede Menge Kritiker. Mir geht es in diesem Beitrag nicht darum, die Methode zu kritisieren, sondern ich möchte Ihnen aufzeigen, dass Ihr Kind keine Lernschwäche hat, die mit irgendwelchen Medikamenten behandelt werden muss, wenn es Schwierigkeiten mit dieser Methode hat.
In den letzen 2 Jahren habe ich überdurchschnittlich viele Kinder in meiner Praxis (meist sind sie in der dritten Klasse), die mit der Methode nicht zurechtkommen und bei denen eine Lese-Rechtschreibschwäche angenommen wird. Die Eltern sind dabei mindestens genauso verzweifelt wie die Kinder, weil das Diktat-Üben einfach keine Erfolge hervorbringt. Das Lesen ist stockend, ohne Zusammenhang und Verständnis.
An was kann das nun liegen? Und wie kann es verändert werden?
Stellen Sie sich vor, dass Sie ein Kind wären, schauen Sie sich folgendes an und fragen Sie sich: Steht das Gehörte im Vordergrund oder das Gesehene? Was meinen Sie würde Sie am meisten prägen? (dieses Beispiel habe ich tatsächlich in einem Heft gesehen)
- Sie bekommen Ihr Diktat zurück und hören: Toll, du hast nun keine 30 Fehler mehr gemacht, sondern nur noch 17 Fehler
- Das Ganze steht unter Ihrem Diktat und daneben sehen Sie
den Smilie
Wahrscheinlich würde ich bei einer Umfrage 50% : 50% als Ergebnis bekommen. Das liegt daran, dass Sie entweder zu den auditiven Menschen zählen, bei denen das Gehörte Priorität hat, dann würde Sie der Smilie nicht weiter stören. Oder Sie gehören zu den visuellen Menschen, bei denen das Gesehene Priorität hat, dann würden Sie ein Lob nicht hören. Vielleicht würden Sie damit assoziieren: Ich bin doof, ich kann das eben nicht !
Beispiel:
Nehmen wir ein Kind, es heisst Claus. Das Konfetti-Konzept legt die Priorität aufs Hören. Egal, ob Claus nun mehr visuell oder auditiv Reize aufnimmt, beim Schreiben lernen steht die erste Prägung im Vordergrund und das ist das Lob, was Claus von der Lehrerin oder den Eltern bekommt. Ein Lob bestätigt ihn in seinem Tun und er fühlt sich an dem Platz, an dem er in der Gruppe steht wohl.
Claus wird anfangs für alles, was er schreibt, gelobt. Die Eltern dürfen ihn auch nicht korrigieren. Somit entstehen bei ihm im Gedächtnis gelobte Wortbilder, z.B. Schdul. Aha, so schreibt man das. Es entsteht dabei nicht zwingend eine Differenzierung zwischen Seh- und Hörbild.
Nun kommt aber die Zeit, in der Claus zu lernen hat, dass Schdul ganz anders geschrieben wird. Die Mutter übt mit ihm, aber Claus beginnt nun Varianten zu schreiben: Schtul, Stul, Schduhl, Schtul. Jeder bekommt die Krise, Claus weiss nicht mehr, woran er ist, er beginnt an sich zu zweifeln und entwickelt den Glaubenssatz: ich bin doof, ich kannn das nicht. Er wird bockig, hat keine Lust mehr. Sie können sich den Teufelskreis selber ausmalen.
Was kann jetzt unternommen werden? Sie als eifriger Leser meines Blogs werden es sich denken können: die Blüten müssen her. Sie sind mit ihrem Energiefeld in der Lage, die Vernetzung der einzelnen Zentren anzuregen, das Nervensystem zu beruhigen und nach und nach stellen sich die Erfolge beim Lesen und Schreiben ein. Parallel dazu schreibt Claus die Worte ab. Die Mutter diktiert nichts mehr, damit sich Claus auf die Wortbilder konzentrieren kann.
Claus hat mit dem Bild der Pflaumenblüte und der Birnenblüte eine von mir entwickelte Übung gemacht. Die Pflaumenblüte regt das Gehirn dazu an, das Ohr und das Auge miteinander zu koppeln und gleicht das Hörbild mit dem Sehbild übers zentrale Nervensystem ab. Dadurch entsteht die Möglichkeit der Differenzierung. Das Konfetti-Konzept braucht ein gutes differenziertes Gehör, aber die Bedeutung der visuellen Aufnahme des Wortbildes darf dabei nicht in den Hintergrund rücken. Claus ist nach 2 Wochen Übung allmählich in der Lage, seine Schreibfehler zu erkennen und zu korrigieren. Er ist nun in der Lage, das alte Wortbild zu löschen und durch das Neue zu ersetzen. Mit der Birnenblüte kommt sein Selbstvertrauen zurück und es macht ihm nichts mehr aus, Fehler zu machen, denn er ist: GUT GENUG.
Liebe Leser, egal, mit welcher Methode unsere Kinder auch lesen und schreiben lernen, immer ist die Vernetzung der Lernzentren, die Verbindung der rechten und linken Hirnhälfte, die Verbindung von Auge, Ohr und Hand entscheidend dafür, ob das Lernen klappt oder nicht. Und denken Sie immer daran: Lernen braucht Zeit und die sollten Sie Ihrem Kind geben.
Im nächsten Beitrag möchte ich Ihnen zeigen, wie sich eine schwierige Geburt auf das Lernverhalten auswirken kann. Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute















